Pater Josef Kentenich Portraits

Informationen zum Selig- und Heiligsprechungsprozess

Der Prozess zur Selig- und Heiligsprechung Pater Kentenichs wurde am 10. Februar 1975 in Trier eröffnet.

 

Heiligsprechung: das endgültige Ja der Kirche

Über die Gemeinschaft der Lebenden auf Erden und derer, die schon in der Anschauung Gottes leben, sagt die Kirche: "Wenn wir nämlich auf das Leben der treuen Nachfolger Christi schauen, erhalten wir neuen Antrieb, die künftige Stadt zu suchen. Zugleich werden wir einen ganz verlässlichen Weg gewiesen, wie wir, jeder nach seinem Stand und seinen eigenen Lebensverhältnissen, durch die irdischen Wechselfälle hindurch zur vollkommenen Vereinigung mit Christus, nämlich zur Heiligkeit, kommen können."

 

Es ist darum sinnvoll, das Geschenk Gottes, das er uns in Heiligen und heiligmäßigen Menschen macht, zum Leuchten zu bringen. Das geschieht in einer Heiligsprechung. Heiligsprechung durch die Kirche ist zunächst ein Akt der Anerkennung: Die Kirche erkennt an, dass die betreffende Person ein Leben gemäß dem Evangelium geführt hat und zugleich auch Vorbild für ein Leben nach dem Evangelium sein kann. Im Fall von Gründern schließt Heiligsprechung auch die Anerkennung ihrer Gründung, ihres Werkes ein. Es wird anerkannt als ein Werk, das sich auf Anregung durch Gott zurückführen lässt.

 

Interview über den Seligsprechungsprozess

Pater Ángel Strada, von 1994-2017 Postulator im Seligsprechungsprozess für Pater Josef Kentenich gab in einem Interview Einblick in den Stand des Prozesses und das, was noch ansteht.

 

Wie ist der aktuelle Stand des Prozesses?

Der Prozess wurde in der Diözese Trier am 10. Februar 1975 eröffnet, sieben Jahre nach dem Tod Pater Kentenichs. Im Laufe der Jahre ist eine vielgestaltige Dokumentation für den Ruf seiner Heiligkeit zusammengetragen worden. Tausende Menschen aus 92 Ländern der fünf Kontinente haben zum Ausdruck gebracht, dass sie auf seine Fürsprache vertrauen oder sich von seinem Beispiel leiten lassen. Seine zahlreichen veröffentlichten Schriften wurden von vier Theologen geprüft, die bestätigten, dass sich in ihnen nichts befindet, was der Lehre oder Moral der Kirche widerspricht. Mehr als hundert Zeugen haben vor dem kirchlichen Gericht ausgesagt. Dies ist von besonderer Bedeutung, da das Ziel des Prozesses darin besteht, den heroischen Tugendgrad im Leben des Dieners Gottes zu überprüfen. Die Zeugen werden darüber befragt, welche Erinnerungen sie an Pater Kentenich haben, welche Erlebnisse sie im direkten, oft jahrzehntelangen Kontakt mit ihm hatten. Sie können gegen oder für ihn aussagen, ihre Anfragen vorbringen, Dokumentationsmaterial vorlegen, etc.

In den letzten Jahren konzentrierte sich die Arbeit auf die Sammlung und Auswertung der unveröffentlichten Schriften: Briefe von oder an Pater Kentenich, persönliche Dokumente, nicht edierte Vorträge und Exerzitien, etc. Eine Kommission von Kirchenhistorikern und Archivaren war für diese Aufgabe verantwortlich. Die große Anzahl der Schriftstücke erforderte viel Zeit und Energie. Bei mehr als 110 kirchlichen und staatlichen Archiven wurde Dokumentationsmaterial angefordert. Sowohl bei der Auswahl der Archive wie auch der Zeugen wurden die verschiedenen Orte berücksichtigt, an denen Pater Kentenich lebte oder seine pastorale Tätigkeit entfaltete: Deutschland, Rom, Schweiz, USA, Brasilien, Chile, Argentinien, Uruguay, Südafrika. Nachdem die Geschichtskommission ihre Arbeit beendet hat und das Dekret über Non-Kult ausgestellt ist, fehlen jetzt noch einige Formalitäten zum Abschluss der diözesanen Etappe des Prozesses. Dann folgt die entscheidende Phase in Rom. Es ist unmöglich zu sagen, wann diese zum Ende kommen wird, unter anderem, weil für die Seligsprechung ein Wunder erforderlich ist. Und niemand kann ein Wunder "organisieren", wir können es nur erbeten.

 

Welches sind die wesentlichen Hindernisse, die den Prozess verzögern?

42 Jahre sind nicht unbedingt ein zu langer Zeitraum für den Seligsprechungsprozess eines Bekenners. Die Prozesse der Märtyrer dauern im allgemeinen nicht so lange; bei ihnen ist auch kein Wunder erforderlich. Prozesse wie den von Mutter Teresa oder Msgr. Escrivá de Balaguer, die aus verschiedenen Gründen nur wenige Jahre dauerten, kann man nicht als Maßstab nehmen. Im Fall Pater Kentenichs hat sein langes Leben von 82 Jahren eine Rolle gespielt, außerdem die enorme Menge seiner Schriften, seine Konfrontation mit dem Nationalsozialismus und die rund vier Jahre Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau, die Schwierigkeiten, die er mit seiner Gemeinschaft, den Pallottinern, hatte, die vierzehn Jahre der Trennung von seinem Werk, die ihm vom damaligen "Heiligen Offizium" auferlegt wurden, die pastoralen und theologischen Impulse, die von ihm ausgingen und die teilweise das II. Vatikanische Konzil bereits antizipierten und anderes mehr. Viele dieser Themen erforderten eine lange und überaus gründliche Untersuchung.

Außerdem gab es Probleme bei der formellen Durchführung des Prozesses. Er wurde eröffnet, als noch die alte Gesetzgebung gültig war, die 1983 geändert wurde und dadurch natürlich einen Neubeginn notwendig machte. Die Diözese Trier zögerte mehrere Jahre mit der Ernennung eines Nachfolgers für den ersten bischöflichen Delegaten, der unerwartet verstorben war. Der Nachfolger litt immer wieder an Krankheiten, was seinen uneingeschränkten Einsatz erschwerte. Außerdem haben wir bis jetzt noch kein Wunder vorliegen, das auf die Fürsprache von Pater Kentenich zurückgeführt werden kann. Die Eröffnung eines Wunderprozesses beschleunigt normalerweise den Tugendprozess.

 

 

Welchen Gewinn hätte die Kirche durch eine Heiligsprechung Pater Kentenichs?

"Die Heiligen, auch die anonymen, sind der größte Erfolg der Kirche", sagte kürzlich Kardinal Lustiger. Tatsächlich sind sie ein klares Zeugnis dafür, dass die Werte des Evangeliums realisierbar sind und nicht auf eine bloße Erklärung guter Prinzipien oder unerreichbarer Ideale reduziert werden können. Christus hat kündete als seine Sendung, uns das Leben zu schenken, ein Leben in Fülle. Kann man an ein solches Leben glauben, wenn es sich bei niemandem und niemals als machtvoll offenbart hat? Im Leben der Heiligen wird die wandelnde Kraft der Gnade sichtbar. Sie sind ganz verschieden von ihrer Persönlichkeit, ihrer besonderen Sendung und ihrem kulturellem Hintergrund her. Aber allen gemeinsam ist die bedingungslose Nachfolge Christi. Auf ganz unterschiedliche Weise öffnen sie uns den Zugang zum Evangelium und regen uns durch ihr Beispiel an, es zu leben.

Die Kirche profitiert jedes Mal davon, wenn sie der Welt eine Persönlichkeit vorstellen kann, die die Liebe, Solidarität, Wahrhaftigkeit, Güte und Einfachheit Jesu Christi widerspiegelt. Sie darf ihre Botschaft nicht auf eine bloße Verkündigung von Glaubenswahrheiten oder moralischen Regeln reduzieren, sondern muss vielmehr überzeugende Beispiele für ein Leben nach dem Evangelium aufzeigen. "Leben entzündet sich am Leben", sagte Pater Kentenich. Wie viel verdanken wir einem Paulus von Tarsus, einem Franziskus von Assisi, einer Teresa von Avila, einem Ignatius von Loyola! Aber wie viel verdanken wir auch den ganz schlichten Zeugen, die uns durch ihre Worte und Werke den Glauben weitergegeben haben! Eine Kirche ohne die Heiligen - die berühmten wie auch die unbekannten - wäre eine verarmte Kirche.

Selbstverständlich ist es wichtig, eine "Inflation der Heiligsprechungen" zu vermeiden; die Quantität bleibt immer zweitrangig. Zu wünschen wäre vor allem die Heiligsprechung von Christen unserer heutigen Zeit, besonders von Laien. Dabei kann man besonders hervorheben den Prozess des spanischen Architekten Antonio Gaudí, des französischen Politikers Robert Schumann, des chilenischen Ingenieurs Mario Hiriart und des brasilianischen Familienvaters João Pozzobon.

 

Und worin besteht der originelle Beitrag von Pater Kentenich?

"Die Heiligen sind die Antworten von oben auf die Fragen von unten", sagte einmal Hans Urs von Balthasar. Heute haben wir sehr viele Fragen, weil wir in einer Zeit des Umbruchs leben, der immer schneller vor sich geht, der tiefe und globale Ausmaße angenommen hat. Ein wichtiger Impuls von Pater Kentenich für diese Zeit ist das bewusste Annehmen ihrer Herausforderungen. "Das Ohr am Herzen Gottes, die Hand am Pulsschlag der Zeit", so beschreibt er seine Persönlichkeit und pastorale Tätigkeit. Er beschränkte sich weder auf das Beklagen bestehender Übel noch auf ein wehmütiges Zurückschauen in vergangene Zeiten; er verkündete auch keine utopischen Zukunftsvisionen. Als Gründer der Schönstatt-Bewegung versuchte er, zur Freiheit zu erziehen, damit jeder Mensch sich seiner Originalität bewusst wird und seine persönliche Geschichte gestaltet in der Offenheit für den Gott des Lebens und in Solidarität mit den anderen. Genau deshalb warnte er vor der Gefahr der Vermassung. Und schon sehr früh widersetzte er sich dem Hitler-Regime, was zur Folge hatte, dass er drei Jahre und acht Monate Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau auf sich nehmen musste.

Ein anderer bedeutsamer Beitrag besteht in seiner hohen Wertschätzung menschlicher Bindungen als Weg zu einer tiefen Bindung an Gott. "Der übernatürlichste Mensch muss der natürlichste sein", das war seine Überzeugung, und er ermunterte uns auf diese Weise, ein Christentum zu leben, das dazu fähig ist, das Menschliche und das Göttliche miteinander zu verbinden.

Schon 1920 predigte er, dass der Heilige der heutigen Zeit der Werktagsheilige sei. Der Glaube ist nicht etwas von Familienleben, Arbeit, Freundschaft, wirtschaftlichen Sorgen, Kunst und Politik getrennt Existierendes. Es ist notwendig, Brücken zu bauen zwischen der Realität des täglichen Lebens und der übernatürlichen Realität. Menschen zur Begegnung mit dem Gott des Lebens und der Geschichte zu befähigen, das war die große Leidenschaft Pater Kentenichs. Seine eigene Erfahrung und die langen Jahre der geistlichen Begleitung von unzähligen Männern und Frauen führten zu seiner auf die heutige Zeit zugeschnittenen Pädagogik und Spiritualität.

Die Gestalt der Gottesmutter nimmt einen herausragenden Platz im Beitrag Pater Kentenichs ein. Niemand hat wie sie das Beispiel der Nachfolge Christi mitten im täglichen Leben gegeben, niemand unter den Erlösten hat eine größere Offenheit für die Wünsche des Vatergottes gezeigt, niemand hat in dieser Solidarität mit den Mitmenschen gelebt. Maria begegnen heißt, den Werten begegnen, die heute notwendig sind für ein glaubwürdiges und authentisches christliches Zeugnis. Pater Kentenich war überzeugt, - wie auch Johannes Paul II. - dass Maria die Sendung hat, die Züge Christi den Herzen der Menschen und den Kulturen der Völker aufzuprägen. Deshalb hat er schon als junger Mensch ein Liebesbündnis mit ihr geschlossen und sich ihr ganz und gar zur Verfügung gestellt. Maria erzog ihn zur Nachfolge Christi und sie wird dafür sorgen, dass sein Beitrag für die Kirche fruchtbar wird.

 

Möglichkeiten, den Prozess zu fördern:

  • Gebet für einen guten Verlauf
  • Leben und Verkünden des Charismas von Pater Kentenich
  • Weitergeben von Informationsmaterial und Gebetstexten
  • Zeugnishafte Berichte, Gebetserhörungen und -anliegen melden
  • Finanzielle Unterstützung durch Spenden